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Symptomatik

Die häufigsten Ausprägungen sind Störungen im Bereich der auditiven Wahrnehmungsverarbeitung (ähnlich klingende Laute können nur schwer oder gar nicht voneinander unterschieden werden oder die Laut-Buchstabensynthese erfolgt fehlerhaft), gefolgt von visuellen Schwächen (ähnlich aussehende Buchstaben können nur schwer oder gar nicht voneinander unterschieden werden) und Integrationsschwächen (Verknüpfung der verschiedenen Teilleistungen beim Lesen und Schreiben).

Aufgrund der Wahrnehmungsschwächen ergeben sich als Hauptsymptom der LRS oder Legasthenie eine mangelnde Automatisierungsfähigkeit bei den Grundlagen des Lesens und Schreibens, die zwangsläufig in einer nicht altersgerechten und - gemessen an den Gesamtfähigkeiten des Individuums - nicht ausreichenden Entwicklung der Schriftsprachfähigkeiten münden.

Folge: Es sind oft über lange Zeiträume mannigfaltige Kompensationsmechanismen im kognitiven Bereich (Auswendiglernen, hohe Assoziationsleistungen) notwendig, die oft bis zur Überperfektion eingesetzt werden, um die erforderlichen Leistungen zu erbringen.
Sobald die Leistungsanforderungen bezüglich Qualität und vor allem Quantität ansteigen, kommt es sehr schnell zu Überanstrengungen, Überforderungen, Ermüdung, Konzentrationseinbrüchen und unerwarteten Motivationseinbrüchen, bis hin zur völligen Leistungsverweigerung.
Es kommt zur nutzlosen und ergebnislosen Verschwendung der zur Verfügung stehenden, oft überaus guten intellektuellen Ressourcen, zur Vergeudung von guten Potentialen auf anderen Gebieten (z.B. technische oder mathematische Bereiche) und zur Überbewertung der mangelnden Begabung im Bereich der Schriftsprachautomatisierung. Dies geschieht durch den Betroffenen selbst, wird aber sehr häufig durch Dritte (Eltern, Schule, Betreuer) forciert (»Wer nicht gut lesen und schreiben kann, ist 'dumm'.«) Die Folge ist oftmals auch hier eine massive Selbstwertproblematik.

»Äußerlich« sichtbare bzw. durch Diagnostikinstrumente erfassbare Symptome der LRS bzw. Legasthenie sind:

1. Kennzeichen im pädagogischen Bereich
2. Kennzeichen im Bereich der emotionalen Befindlichkeit
3. Kennzeichen im Bereich des Verhaltens und des sozialen Umganges

Symptomatiken aus den Bereichen 2. und 3. gehören meist schon in den Bereich der Folgestörungen. Es ist deshalb außerordentlich wichtig, bei Unterstützung und Förderung von teilleistungsschwachen Kindern im Bereich der Hauptstörung anzusetzen und nicht zu versuchen, jahrelang nur an Symptomen, die von Folgestörungen der LRS herrühren, »herumzukurieren«!


Zu 1. Kennzeichen im pädagogischen Bereich:
  • Störungen bei der Anwendung der richtigen, sicheren und schnellen Laut-Buchstabenzuordnung: Diese führen sehr häufig zu Unsicherheiten in der sog. »Wahrnehmungstrennschärfe« und / oder »Wortdurchgliederung«, z. B. Verwechslung ähnlich klingender Laute und Buchstaben, Verdrehungen von Lauten, Weglassen von Lauten und Hinzufügen überflüssiger Laute. Das Diktateschreiben »nach Gehör« ist nicht möglich.
  • Störungen in der richtigen und sicheren Anwendung der deutschen Rechtschreibregeln: Die »Längen« der Vokale sind nicht unterscheidbar, deshalb sind in der Folge auch keine Dopplungs- bzw. Dehnungsregeln anwendbar. Wortbedeutungen sind oft nicht klar, deshalb ist keine Unterscheidung der Wortarten möglich. Es gibt viele sog. Rechtschreibfehler in »ungeübten« Diktaten und gelernte Regeln werden nach dem Zufallsprinzip angewandt.
  • Störungen in der Verarbeitungsgeschwindigkeit aufgrund der unzureichenden Automatisierung: z. B. sehr langsames Arbeitstempo, Übergenauigkeit oder Desorganisation, Symptome ähnlich wie bei echten Aufmerksamkeitsstörungen (»Konzentrationsschwäche«), viele sog. »Leichtsinnsfehler«.
  • Störungen bei Interaktionen auf der Kommunikationsebene im Bereich des schulischen, häuslichen oder sozialen Umgangs: z. B. Fehlhörigkeit oder Panikattacken.

Folge: Je länger eine Legasthenie nicht erkannt und dem betroffenen Menschen keine adäquate Hilfestellung gegeben wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass verschiedenste Folgestörungen, vor allem im Verhaltensbereich, entwickelt werden. Es besteht die Gefahr, dass die Kinder in den sog. »Teufelskreis Lernstörungen« geraten, der im schlimmsten Fall zur völligen Leistungsverweigerung führen kann.

Zu 2. und 3. Die wichtigsten Folgestörungen sind

  • mannigfaltige, von unerschöpflichem »Erfindungsgeist« geprägte Vermeidungs- und Verweigerungsmethoden
  • Störungen in der Selbstwahrnehmung mit allen Konsequenzen (Intrigieren, Lügen, Leugnen, etc.)
  • »Wegschieben« von Eigenverantwortlichkeiten auf die Umgebung (Konsumdenken, Unselbständigkeit, Abhängigkeit)
  • Selbstwertproblematiken bis hin zu Depressionen (im schlimmsten Fall Suizidversuche)
  • alle Arten von Verhaltensstörungen (Kommunikationsstörungen, Kontrollverluste, Ängstlichkeit, Aggression, Symptome ähnlich wie bei ADHS +H /-H, usw.)
  • psychosomatische Symptome (Bauch-, Kopfweh bis zu Migräneattacken, Einnässen, Einkoten, Dauermüdigkeit, usw.)

Fazit: Beim Umgang mit einem teilleistungsschwachen Kind muss den Folgestörungen gebührend Rechnung getragen werden (z.B. begleitende Verhaltenstherapie, Einbeziehung der Familie, Berücksichtigung der äußeren Lebensumstände usw.). Es sollte jedoch immer vorrangig an den Ursachen gearbeitet werden, um eine alleinige Systembekämpfung zu vermeiden.

Es besteht in vielen Fällen die berechtigte Hoffnung, dass die Folgestörungen verschwinden oder gemildert werden können, sobald der Betroffene einen besseren, sicheren und vor allem erleichterten Umgang mit der Schriftsprache erlangt hat. Nur dann hat er die Möglichkeit, seine kognitiven Potentiale und Fähigkeiten zur selbständigen Überwindung seiner Defizite einzusetzen, und er kann beginnen, seine Lebensziele zu formulieren sowie einen seinen intellektuellen Gesamtfähigkeiten angepassten Berufs- und Lebensweg einschlagen.